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„Gewaltfrei Lernen“

Ausgrenzung, Mobbing und körperliche Gewalt sind an vielen Schulen leider noch allzu oft an der Tagesordnung. Dagegen bietet „Gewaltfrei Lernen“ ein pädagogisches Präventionskonzept. Es vermittelt erfolgreiche Abwehrstrategien und schult soziale Kompetenz. Die Grundschule Völkenrode/Watenbüttel hat damit beste Erfahrungen gemacht. Das Projekt wird von United Kids Foundations, dem Kindernetzwerk der Volksbank BraWo, unterstützt.

Zahlen und Fakten seit 2013

Lehrkräfte und Angestellte

20

Lehrkräfte und Angestellte
Eltern

120

Eltern
Kinder

600

Kinder

Förderung der Sozialkompetenz

Die Stopp-Regel als Erfolgsmodell

An der Grundschule Völkenrode/Watenbüttel wird die Konfliktfähigkeit geschult

Die Kinder wiederholen die Sätze immer wieder. In szenischen Übungen beschreiben sie die Eskalationsstufen eines Streits. „Hör auf, ich möchte das nicht“, „Hör auf damit, sonst sage ich es der Aufsicht“ und „Ich habe es Dir schon zweimal gesagt, jetzt hole ich die Aufsicht“. Die Stopp-Regel in drei Schritten ist der Kern von „Gewaltfrei Lernen“ für Grundschulkinder. An der Grundschule Völkenrode/Watenbüttel gibt es, seit die Konfliktfähigkeit erstmals 2013 geschult wurde, weit weniger Streitereien auf dem Schulhof.

Diplom-Sportlehrerin Sybille Wanders hat das bewegungsreiche Trainingskonzept zur Förderung sozialen Lernens entwickelt. „Ich habe Selbstverteidigung unterrichtet und an der Sporthochschule Köln mit dem Schwerpunkt „Bewegungsspiele für Kinder zur Entwicklung von Persönlichkeit“ studiert. Nach Pisa 1 fragten mich Lehrer, wie ich es schaffen würde, mir beim Judo-Training schnell Respekt zu verschaffen und die Kinder trotzdem fröhlich miteinander trainierten? Da ist mir klar geworden, dass das beste Training für Kinder eine Mischung aus Selbstverteidigung und schönen Bewegungsspielen ist. So lassen sich spielerisch moralische Aspekte, Tugenden und Regeln erklären. Die Kinder üben, wie sie sich gut verhalten und was sie machen können, wenn es doch mal Ärger gibt“, berichtet Sybille Wanders von ihrem Konzept.

Schulleiterin Dörte von Hörsten ist froh, durch das Training eine für die Schule allgemeingültige Strategie bei Konflikten zu haben: „Auch das Kollegium wird gecoacht und bekommt Handlungsmuster an die Hand. Es gibt die Stopp-Regel in drei Schritten, die mit den Kollegen und auch mit den Kindern eingeübt wird. Sie läuft dann ganz schematisch ab, wenn es zu einem Konflikt auf dem Schulhof kommt. Alle Kinder, alle Kollegen kennen dann das klare Vorgehen. Das ist sehr hilfreich“, sagt sie.

Längst ist „Gewaltfrei Lernen“ als pädagogisches Konzept zur Förderung der Sozialkompetenz von Kindern sowie zur Prävention von Gewalt, Mobbing und Rassismus anerkannt. In den fröhlichen Unterrichtsstunden erleben die Schüler in ihren Klassengemeinschaften beliebte Partnerspiele und wortstarke, gewandte Körperreaktionen für die häufigsten Konflikte. Dabei geht es stets um positive Handlungsmöglichkeiten.

Eingebunden sind auch die Eltern. Sie absolvieren während der Elternabende selbst einige Konfliktübungen, die sie später zu Hause mit ihren Kindern zu deren Bestärkung wiederholen können. Und zur erfolgreichen Einführung der Regeln bei den Geschwistern, wie nicht wenige Eltern bestätigen.

Gewaltfrei Lernen

Das pädagogische Konzept „Gewaltfrei Lernen“ wurde von 2003 bis 2006 von Sibylle Wanders entwickelt. Es vereint ihre Erfahrungen als Diplomsportlehrerin an der Deutschen Sporthochschule Köln, ihrer Spezialisierung auf Bewegtes Lernen zur Bildungsförderung sowie den Bereichen Selbstverteidigung und Tanzen. Trainiert werden Kinder und Jugendliche altersgerecht von der 1. bis zur 13. Klassenstufe.

Kontakt:

Gewaltfrei Lernen
Sybille Wanders
Jordeweg 10
50259 Pulheim
Telefon: 02238 / 83 88 79
s.wanders@gewaltfreilernen.de

Homepage: www.gewaltfreilernen.de

Wirkungsregion: Deutschland

Impressionen

Dörte von Hörsten, Schulleiterin

Wir haben natürlich immer noch Konflikte auf dem Schulhof, aber viel weniger als vor drei Jahren. Die Kinder regeln ihre Konflikte größtenteils selbst. Das ist das Ziel, sie stark zu machen, damit sie Konflikte gewaltfrei lösen zu können. Wenn das mal nicht gelingt, kommen wir als Lehrer ins Spiel und unterstützen sie dabei.

Sybille Wanders, Diplom-Sportlehrerin

Gewaltfrei Lernen baut die Körpersprache der Kinder auf. Wir trainieren mit ihnen sehr bewusst den Umgang mit Rückenhaltung und Schrittstellung. Nach drei Tagen erleben wir, dass schüchterne Kinder stärker stehen. Sie werden mutiger und können sich aus Konflikten befreien. Und wir bringen Ihnen auch bei, wie sie neue Freunde finden können.

Kirsten Dannemeyer, Mutter

Ich bin Mutter von drei Kindern. Alle drei haben das Projekt kennen gelernt. Die Älteren sind auf der weiterführenden Schule und haben das Gelernte, dieses stark sein, sich bei Konflikten mit Worten wehren zu können, mitgenommen. Meiner kleinen Tochter hilft das Projekt, weil sie ein stilles Kind ist und hier lernt, einfach mal laut `Nein` zu sagen.

Nina Riedemann, Sportlehrerin

Ich glaube, dass das Projekt sehr nachhaltig ist, weil die Kinder nicht nur in der Schule, sondern auch darüber hinaus immer mal wieder in Konflikte geraten werden. Eltern versuchen oft, Konflikte von ihren Kindern fernzuhalten. Aber wichtig ist, dass die Kinder hier lernen, damit umzugehen und Konflikte nicht nur negativ zu sehen.

Amelie

Wir lernen zum Beispiel uns zu wehren, wenn jemand einen festhält, ohne dem anderen weh zu tun.

Mika

Wir sollen Sachen ohne Gewalt klären. Wenn sich zum Beispiel zwei streiten, dann kann man da helfen, aber nicht prügeln.