junge

1000x1000 Projekt des Monats November 2017

Rucksack-Programm

Sprache ist das wichtigste Instrument für eine gelingende Integration. Das ursprünglich aus den Niederlanden stammende Rucksack-Programm für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren setzt deswegen auf Elternbildung und Sprachförderung. In dem Projekt lernen Eltern, wie sie ihre mehrsprachigen Kinder spielerisch fördern können. In Braunschweig wird das Programm - unterstützt von United Kids Foundations - in sechs Kindertagestätten mit besonderem Bedarf angeboten. Die Mittel stammen aus der Initiative "1000 x 1000 - die BraWo Allianz gegen Kinderarmut".

Zahlen und Fakten

Familien

40

Familien
Elternbegleiterinnen

10

Elternbegleiterinnen
Kindertagestätten

6

Kindertagestätten

Förderprogramm für mehrsprachige Kinder

Defizite bis zum Schulstart aufholen

Eltern werden als Experten für ihre Kinder wertgeschätzt und zum Mitwirken an Erziehungs- und Lernprozessen motiviert.

Eltern spielen eine bedeutende Rolle bei der Sprachentwicklung ihrer Kinder. Besonders Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, brauchen Unterstützung, damit sie einerseits ihre Muttersprache und andererseits Deutsch als Zweitsprache gut lernen können. Genau da setzt das Programm "Rucksack in der KiTa" an. Es befähigt die Eltern, entsprechende Übungen mit ihren Kindern in der Muttersprache zu Hause und im Alltag umzusetzen. Parallel wird in der Kita der Wortschatz in der Zweitsprache Deutsch erweitert. Ein willkommener Nebeneffekt ist, dass die Eltern gleich mitlernen, besser Deutsch zu sprechen.

"Es ist beim Rucksack-Projekt signifikant, dass die Kinder im Deutschen und in ihrer Muttersprache besser werden. Die Defizite, die anfangs vorhanden sind, können bis zum Schulstart aufgeholt werden. Die Kinder und auch die Eltern werden selbstsicherer", sagt Michaela Wirth, Koordinatorin des Rucksack-Projekts des DialogWerks Braunschweig. Die teilnehmenden Eltern stammen aus Albanien, der Elfenbeinküste, Tunesien, Bulgarien, Syrien, Vietnam, der Türkei oder dem Libanon, aber auch aus Deutschland. Der interkulturelle Aspekt ist für alle Beteiligten eine große Bereicherung.

In Braunschweig beteiligen sich das Caritas Familienzentrum St. Maximilian Kolbe (Weststadt), das DRK Familienzentrum Broitzemer Str. (Westliches Ringgebiet), das evangelische Familienzentrum St. Georg (Siegfriedviertel), das evangelische Familienzentrum Weststadt, die Paritätische Kita Quäker Nachbarschaftsheim (Nordstadt) und die städtische Kita Siegmundstraße (Siegfriedviertel) am Rucksack-Projekt.

In den Kitas treffen sich überwiegend die Mütter in entspannter Atmosphäre und ohne ihre Kinder. Eine in 40 Unterrichtsstunden vorab qualifizierte Elternbegleiterin aus ihrer Mitte leitet die einmal wöchentlich stattfindenden Gruppentreffen. Die Gruppentreffen finden entweder auf deutsch statt, wenn die Eltern unterschiedliche sprachliche Hintergründe haben, sie können aber auch in einer anderen Sprache durchgeführt werden, wenn alle dieselbe Sprache sprechen, z.B. auf arabisch. Die Mütter erhalten die Aufgaben für die nächste Woche und tauschen sich auch über allgemeine Erziehungsthemen aus. Das Konzept bietet niedrigschwellige Spielanregungen und Aufgaben. Das notwendige Material gibt es in 13 Sprachen. Die Übungen sind allesamt einfach in den Alltag zu integrieren. Behandelt werden Themen wie Familie, Kleidung oder Einkaufen.

Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe sind dabei wichtige Grundprinzipien. So macht das allen Beteiligten ganz offensichtlich viel Spaß. Die Eltern werden als Experten für ihre Kinder akzeptiert und so für das Mitwirken an Erziehungs- und Lernprozessen motiviert, was die Startchancen ihres Nachwuchses im deutschen Bildungssystem verbessert.

Haus der Familie GmbH / DialogWerk Braunschweig

Optimale Chancen für alle Kinder

Die Haus der Familie GmbH / DialogWerk Braunschweig bietet im Auftrag der Stadt seit Februar 2012 allen Kindertageseinrichtungen in Braunschweig engmaschige Unterstützung bei der Umsetzung des Sprachbildungs- und Sprachförderungsauftrags des Landes Niedersachsen. Pädagogische Fachkräfte werden darin unterstützt, allen Kindern vom Krippeneintritt bis zur Einschulung optimale Chancen für einen erfolgreichen Bildungs- und Lebensweg zu ermöglichen.

Kontakt:

Haus der Familie GmbH
Kaiserstraße 48
38100 Braunschweig

DialogWerk Braunschweig
Koordinierungszentrum für alltagsintegrierte
Sprachbildung und Sprachförderung
Güldenstr. 19 (3. Etage)
38100 Braunschweig
Telefon: 0531 241 2402
info@vhs-braunschweig.de

Homepage: http://www.hdf-braunschweig.de/
https://www.vhs-braunschweig.de/vhshdf/dialogwerk/
Geschäftsführerin: Ursula Wilharm-Jansen
Wirkungsregion: Braunschweig

Impressionen

Michaela Wirth, Koordinatorin Rucksack-Projekt

Je besser ein Kind seine Muttersprache beherrscht, desto besser lernt es auch die deutsche Sprache. Der lockere Austausch zwischen den Eltern in allen Fragen des Alltags trägt zusätzlich zur Öffnung für andere Kulturen bei. Beides sind Ziele des Programms.

Agnieszka Derendarz, Elternbegleiterin

Als Bezugsperson kann ich ein bisschen mithelfen, dass die Frauen in Deutschland besser ankommen. In der Gruppe werden Freundschaften geschlossen und, weil wir immer Deutsch sprechen, steigt das Selbstvertrauen, sich in der Außenwelt frei zu bewegen.

Andrea Asche, Erzieherin

Der Bedarf nach Sprachförderung ist bei uns sehr groß. Wir haben zum Beispiel eine Gruppe, die fast ausschließlich aus Migrantenkindern besteht. Außerdem ist das Rucksack-Programm sehr wichtig, weil es die Eltern in den Kita-Alltag einbindet.