Teilnehmerhandbuch

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Kongress Kinder.Stiften.Zukunft. geht in die zweite Runde

02.10.2015

Kinderschutzbund-Präsident Hilgers fordert: „Wir müssen jetzt mit der Förderung von Flüchtlings-Kindern beginnen"

Kongress „Kinder.Stiften.Zukunft." in Wolfsburg verdeutlicht Notwendigkeit stärkerer Kooperationen im Kampf gegen Kinderarmut.

Vom zweitägigen Kongresses „Kinder.Stiften.Zukunft." geht ein wichtiger Impuls im Kampf gegen Kinderarmut aus. 200 Wissenschaftler und Verantwortliche aus der Region und ganz Deutschland trafen sich im MobileLifeCampus in Wolfsburg zum Gedankenaustausch. Am Ende steht der feste Wille, gemeinsam und eng verzahnt gefundene Lösungsansätze umzusetzen. Der Kongress fand auf Initiative der Volksbank BraWo, ihrer Stiftung und ihrem Kindernetzwerk United Kids Foundations in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung statt.

„Mit diesem Kongress ist die Chance für die Region Braunschweig-Wolfsburg genutzt worden, all die unterschiedlichen Akteure, die faktisch an den Lebensbedingungen von Kindern mitwirken, zusammenzubringen. Jetzt geht es darum, vor Ort die Zusammenarbeit aller Akteure zu verbessern", lautete das Fazit von Prof. Klaus Peter Strohmeier vom Bochumer Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung.

Der Kongress war 2006 zum Start von United Kids Foundations als innovatives Projekt aus der Taufe gehoben worden. Mittlerweile ist dieser Kongress, der seit 2006 auch in anderen Städten umgesetzt wurde, eine erfolgreiche Plattform für eine bessere und nachhaltige Vernetzung von Wissenschaft, Zivilgesellschaften und kommunalen Organisationen im Kampf für benachteiligte Kinder.

Dr. Andrea Hanke, Sozialdezernentin der Stadt Braunschweig lobte die hohe Dichte an Fachleuten während der beiden Tage. Es habe Impulse gegeben und es seien neue Verbindungen entstanden. „Es geht immer auch darum, Verbündete im Kampf gegen Kinderarmut zu finden. Kinderarmut ist nicht allein ein Thema für Kommunen, sondern es ist ein zivilgesellschaftliches Thema", lobte sie die Initiative für den Kongress. Die Tagung bildete den inhaltlichen Höhepunkt zum 10-jährigen Bestehen von United Kids Foundations, dem Kinder-Netzwerke der Volksbank BraWo.

Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs hob die Bedeutung und die gesellschaftliche Relevanz von Stiftungen und Non-Profit-Organisationen als bedeutende Ergänzung zu den kommunalen Anstrengungen hervor. „Es ist wichtig, sich wissenschaftlich mit der Problematik Kinderarmut auseinanderzusetzen. Ich würde mir wünschen, dass von diesem Kongress in Wolfsburg Lösungsansätze für ganz Deutschland ausgehen", erklärte er am Abend des Empfangs im Schloss Wolfsburg.

Bundesweit sind mehr als zwei Millionen Kinder von Armut betroffen, in der Region sind es 18.500 Kinder und Jugendliche, wenn die rein wirtschaftlichen Maßstäbe angelegt werden. Tatsächlich ist die Dunkelziffer aber noch viel höher, weil sich Kinderarmut nicht nur an materillen Voraussetzungen festmachen lasse, erklärte Prof. Klaus Peter Strohmeier (Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung Bochum) in seinem Impulsreferat.

„Kinderarmut ist ein Zuwenig, nicht in erster Linie an Geld, sondern ein Zuwenig an Zuwendung und ein Zuwenig an Aktivitätsmöglichkeiten, zu wenig an Wertschätzung, zu wenig an Selbstvertrauen, das die jungen Menschen im Prozess des Aufwachsens entwickeln müssen. Kinderarmut ist essenzieller Mangel an Ressourcen für ein erfolgreiches Aufwachsen", lautet sein Credo.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes Heinz Hilgers forderte die Politik auf, endlich für Gerechtigkeit bei der Familienförderung zu sorgen. „Es kann nicht sein, dass zum Beispiel ein Ehepaar, das keine Kinder hat, über die Splitting-Tabelle vom Staat mehr als zehnmal so stark gefördert wird wie eine alleinerziehende Mutter mit Kindern über den Entlastungsbetrag. Das ist ungeheuerlich. Es kann auch nicht sein, dass die Kinder aus der reichen Familie, die den Spitzensteuersatz bezahlen, durch den Staat viel mehr Förderung bekommen als die Durchschnittsfamilien oder die armen Familien. Da muss Gerechtigkeit und auch Bedarfsgerechtigkeit hergestellt werden",
fordert Hilgers.

Besonderes Augenmerk legte Hilgers auch auf die künftige Förderung von Flüchtlingskindern. „Wenn wir jetzt früh mit der Integration beginnen, werden wir die Talente dieser Kinder heben können. Wichtig ist, dass sie integriert werden in die Gesellschaft, dass sie sehr früh einen Kita-Platz, einen Platz in der Schule bekommen. Das alles müssen wir jetzt sehr schnell vorbereiten. Mit jedem Tag verpassen wir Zeit, in der wir die Talente der Kinder fördern können", erläuterte er.

Des Weiteren sieht Hilgers vor allem in schwierigen Stadtquartieren immensen Bedarf für eine bessere Schüler-Lehrer-Relation und für intensivere sozialpädagogischer Begleitung. Eltern, Erzieher und Lehrer müssten zudem verstehen, dass sie Erziehungspartner seien und im Sinne einer besseren Bildung der Kinder aufeinander zugehen müssten.

In mehr als 20 Workshops erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Handlungsempfehlungen, die sie in ihr Umfeld in ihre Kommune, in ihr Quartier tragen. Themen waren unter anderem: Armut in Kita und Schule, Folgewirkungen sozialer Benachteiligung, Stigmatisierung und Mobbing durch Gleichaltrige, aber auch Teilhabe am sozialen Leben für alle Kinder, Ansprache von schwer erreichbaren Jugendlichen und Armutskarrieren durchbrechen.

„Um die Bekämpfung von Armut junger Menschen zu verbessern, bedarf es in den verschiedenen Lebensabschnitten abgestimmter Programme und Prozesse. Von hier aus muss der Wille aller Beteiligter ausgehen, sich nicht nur gelegentlich auszutauschen, sondern künftig intensiv und koordiniert zusammenzuarbeiten, damit wir die vorhandenen Ressourcen zum Wohl der Kinder besser nutzen. Um Kinderarmut nicht nur in unserer Region erfolgreich zu bekämpfen, müssen alle Kräfte aus Kommunen, Zivilgesellschaft und Unternehmen gebündelt werden und wirksam ineinandergreifen. Wenn uns das jetzt gelingt, dann hat der Kongress seinen Zweck erfüllt", resümierte Steffen Krollmann, Vorstandsvorsitzender der ausrichtenden Volksbank BraWo Stiftung.