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"Staatliche Leistungen allein schützen Kinder nicht vor Armut"

von Volksbank BraWo in Neuigkeiten

Vor zehn Jahren hat die Stadt Braunschweig das Netzwerk Kinderarmut ins Leben gerufen, um auf die besonderen Wirkungen von Familienarmut aufmerksam zu machen. Daraus entstanden ist das "Kommunale Handlungskonzept Kinderarmut". Es geht dabei um weit mehr als nur materielle Leistungen. Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth, zuvor langjähriger Sozialdezernent der Stadt, sieht die kommunale Verantwortung vor allem auch in lokalen Bildungsprojekten, die mit vielen Partnern wie z. B. United Kids Foundations, umgesetzt werden. Es geht darum, die Sozialprognosen für die Kinder und Jugendlichen signifikant zu verbessern. Im Interview spricht Markurth über bessere Chancen für Kinder aus ökonomisch schwachen Familien, die Bedeutung kommunalen und privatwirtschaftlichen Initiativen sowie über den walk4help durch Braunschweig.

Kinder in Armut brauchen mehr als nur GeldFinanzielle Unterstützung allein schützt Kinder nicht vor dem Armutsrisiko.

Herr Markurth, der Arbeitsmarkt in Braunschweig nähert sich der Vollbeschäftigung, also einer Quote von unter fünf Prozent Arbeitslosigkeit. Wie kann es da sein, dass in Braunschweig mehr als 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren von Armut betroffen sind?

An manchen Familien geht diese positve wirtschaftliche Entwicklung leider vorbei. Die Zahl der Kinder, die in Armut aufwachsen oder davon bedroht sind, ist nicht im gleichen Maße zurückgegangen, wie die sozialversicherungspflichtige Arbeit zugenommen hat. Wir können nicht darauf setzen, dass sich dieses Problem irgendwann von selbst erledigt. Wir wollen auch auf kommunaler Ebene handeln, auch wenn die strukturellen Ursachen nur bundespolitisch verändert werden können. Wir wissen, dass der Bildungserfolg in Deutschland vom sozialen Status der Eltern abhängig ist. Diesem Zusammenhang gilt es entgegenzuwirken. Wir müssen die Kinder stärken, ihnen den Zugang zur Arbeitswelt ermöglichen und damit in ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, auf kommunaler Ebene einzugreifen?

Die Erhöhung der staatlichen Leistungen allein schützt Kinder und Jugendliche nicht vor Armut. Von Armut bedrohte Kinder und ihre Eltern benötigen eine Präventionskette, die von der Beratung der Eltern vor und nach der Geburt ihrer Kinder bis zu deren Übergang in ein eigenverantwortliches Leben reicht. Das versuchen wir in der Stadt Braunschweig mit unserem Netzwerk Kinderarmut zu gewährleisten. Neben Betroffenen, Vertreterinnen und Vertretern von Kirche, Wohlfahrtspflege, Stadtelternrat, Gewerkschaft und anderen sind auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung beteiligt. Ein Beirat legt Leitlinien vor, schafft damit ein gemeinsames Verständnis der Problematik und formuliert Handlungsvorschläge.

Wie wichtig ist es dabei, Spendenmittel einsetzen zu können?

Der Grundstock der Hilfen für Kinder in Armut liegt in staatlichen Leistungen. Wir verstehen kommunale Verantwortung jedoch so, dass sie deutlich über Materielles hinausgeht. Prävention und Linderung der Folgen von Armut sind die Ziele unseres Netzwerks. Das packen wir an mit eigenen Vorhaben, Projekten der Wohlfahrtsverbände oder anderer Träger wie zum Beispiel Stiftungen. Dabei geht es im weitesten Sinn immer um Bildung, um Sozialkompetenz, um Ernährung oder auch um die Bedeutung von Bewegung. Es ist notwendig, dass staatliche Leistungen und finanzielle Beiträge der Kommunen durch Spenden gezielt ergänzt werden. Der Braunschweiger Fonds für Kinder und Jugendliche zum Beispiel speist sich auch maßgeblich aus Spenden. So können wir in konkreten Fällen niederschwellig und unbürokratisch helfen. Es gibt eben nicht für alles eine rechtliche Grundlage. Der Fonds ersetzt jedoch keine kommunalen Leistungen.

Der walk4help im Mai 2019 soll eine Massenbewegung gegen Kinderarmut werden. Welche Bedeutung hat so eine Veranstaltung?

Zum einen wird die Problematik der Kinderarmut durch so eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung in den Fokus gerückt. Zum anderen hoffe ich, dass die Volksbank BraWo und ihr Kindernetzwerk United Kids Foundations ihr Ziel erreichen und den Weltrekord aufstellen wird, denn das bringt dann eine erhebliche Spendensumme für Projekte in der Region, die Kinderarmut entgegenwirken. Bereits seit einiger Zeit arbeiten wir wie auch Wolfsburg, Salzgitter, Peine und Gifhorn gut mit dem Kindernetzwerk zusammen. Es werden Projekte angeschoben, die anders kaum möglich wären. Ich kann also nur alle in der Region ausdrücklich ermuntern, sich am walk4help durch unsere schöne Stadt zu beteiligen. Von der Stadt und von unseren städtischen Gesellschaften werden mit Sicherheit einige Teams teilnehmen.

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